Der stadtgarten und seine neue Raumstruktur

Neue Raumstruktur – Begehung des stadtgartens im Januar 2013

Ein Bericht von Andrea-Maria Schmidt, Landschaftsarchitektin

Das experimentelle Element im ersten stadtgarten-Jahr (2012) im Sinne von „erst mal den Raum einnehmen“ war wunderbar. Die Anordnung der verschiedenen Themen im Garten haben sich pragmatisch ergeben. Durch meine Beschäftigung mit behindertengerechter Gestaltung und meine Vorliebe für organische Formen wurde es jetzt im zweiten Jahr aber doch spannend, sich vorab einige Gedanken zur Raumgestaltung zu machen. Auch waren nun schon erste Erfahrungen mit Besuchergruppen da und ein wachsendes, pädagogisches Konzept verlangte nach geborgenen Räumen z.B. für Schulklassen, Kindergärten oder Behindertengruppen.

„Wo kann denn unser neu geplantes Café hinkommen ?“ war eine wichtige Frage.

Mir ist das Thema „Bürgerbeteiligung in der Planung“ ein wichtiges Anliegen gewesen und so sollten alle stadtgärtner an der Planung beteiligt werden, ohne dass man schon am Anfang in Detailfragen stecken bleibt. Das Werkzeug einer intuitiven Herangehensweise hat sich da sehr bewährt, da sie integrierend wirkt. Der blanke Verstand dagegen ist wertend und damit trennend – für Gruppenprozesse also denkbar ungeeignet. (wer kennt sie nicht, nervtötende Sitzungen, wo man sich anscheinend im Kreise dreht und zu keinem Konsens kommt)

Anders geschah es bei uns in 3 Phasen:
1. Wir sind mitten im Winter auf die fast leere Fläche gegangen und Raumqualitäten wurden intuitiv abgefragt, z.B. Wo würdest du auf der Fläche Schutz suchen? Oder auch konkreter: Wo würdest du dein Hauptanliegen (Bienen, Kompost, Café, Komposttoilette, Pflanzen wie Gemüse, Obst und Kräuter) verortet sehen? Wo gibt es Synergien mit anderen Nutzungen? Diese Wahrnehmungen wurden dann auf ein erstes Schaubild übertragen, indem draußen erspürte Räume mit Wollfäden auf einem Grundriss übertragen wurden.

Neue Raumstruktur: der erste Zwischenstand

2. Daraus entstanden zwei Vorentwürfe, die auf unser „Urbild“ Bezug nahmen, aber auch schon funktionelle Überlegungen mit eingeschlossen. Diese wurden in einem zweiten Treffen vorgestellt und erst einmal emotional bewertet, Vorlieben abgefragt (rote Punkte), ehe dann in einer offenen Diskussion für und wider verschiedener Ausformung diskutiert wurde und auch Sachzwänge Gehör fanden. Scheinbare Widersprüche wurden erst einmal so stehengelassen.

Die zwei ersten Entwürfe im Vergleich

3. Das Bewegen der zwei Vorschläge hat sich gelohnt! Die vielen stichhaltigen Argumente der stadtgärtner führten sicher und leicht zu einem stimmigen Endbild.

Die neue Raumstruktur des stadtgarten Nürnberg von Andrea-Maria Schmidt

Das Ergebnis:

Wir haben eine ästhetische Form, den Raum mehr eingenommen, und viele gemütliche Nischen mit unterschiedlicher Qualität (Ruhe – Aktivität) geschaffen. Für jede Wetterlage/ Sonnenstand gibt es den passenden Aufenthaltsort. Alle Bereiche sind für Rollstuhlfahrer leicht und angenehm zu befahren. Die stadtgärtner erkennen sich in der Planung wieder und sind damit verbunden.

Die Vorfreude auf die nächste Saison hat eine Form!

Eure Andrea-Maria Schmidt

Andrea-Maria Schmidt
Landschaftsarchitektin
Garten für alle
www.individuelle-gartenplanung.de

Bei Rückfragen, wendet Euch gerne an Andrea-Maria Schmidt:
09103 / 717 565 oder andrea-maria.schmidt(@)gmx.de

 

 

 

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