Gärtnern mit F1 Saatgut: wie Hybridsaatgut Vielfalt und Esskultur den Rücken zuwendet

Saatgutvielfalt stadtgarten Nürnberg

 

Das Frühjahr kommt und die Herzen aller Hobbygärtner beginnen wieder höher zu schlagen. Damit rückt auch der alljährliche Kauf von Saatgut im Gartencenter oder Drogeriemarkt in den Vordergrund: Die Lust auf selbsterzeugtes Obst und Gemüse ist aufs Neue geweckt.

Der Siegeszug von Hybridsaatgut im Saatgutregal

Viele Gartencenter, Bau- und Drogeriemärkte bieten in diesen Tagen ihr Saatgut in bunten Tüten mit Fotos von perfekten Tomaten, Möhren und Zwiebeln an. Auf einem Großteil der Samentütchen ist die Sortenbezeichnung um den Hinweis „F1 Hybrid“ ergänzt. Darauf liest man auch, dass diese Sorten ertragreicher und resistenter sind. Auf den ersten Blick ein lohnender Kauf. Doch was verbirgt sich hinter Hybridsaatgut?

Barbara Keller von der Initiative open house e.V. erklärt: „Bei Hybridsaatgut werden zwei Sorten Inzuchtlinien erzeugt und dann einmalig miteinander gekreuzt. Das Ergebnis ist eine Hybride, die zu einer Pflanze heranwächst, die die gewünschten Eigenschaften wie Form, Farbe, Ertrag oder Resistenzen gegenüber von Krankheiten in sich tragen kann, jedoch nie alle positiven Eigenschaften in sich vereint. Leider verliert das Saatgut ab der 2. Generation diese Eigenschaften. Aus diesem Grund eignet sich der Samen dieser Pflanzen nicht zur Erhaltungszucht.“

Hybridsaatgut ist auch ein Problem der ökologischen Landwirtschaft.

Um hohe Erträge zu erwirtschaften und den Ansprüchen der Verbraucher nach perfekten Früchten gerecht zu werden, ist der Einsatz von Hybridsaatgut bei einem Großteil von Bio-Gemüse wie Blumenkohl,  Broccoli oder Mais an der Tagesordnung. Wohlgeformte, gleichmäßige Früchte – gekauft wird leider nach dem Äußeren und nicht nach dem (guten) Geschmack.

Alte Kultursorten geraten in Vergessenheit – Saatgut ist Kulturgut

Der großräumige Einsatz von Hybridsaatgut hat allerdings noch eine weitere Konsequenz: die Vielfalt unserer Kultursorten verschwindet und damit auch fruchtbare Saaten, die sich perfekt an unsere Böden und unser Klima angepasst haben. Auch auf unserem Teller wird es eintönig: Gemüse- und Obstsorten in unterschiedlichsten Farben, Formen und Geschmäckern müssen Platz für hybriden Einheitsbrei machen. Eine Entwicklung, die auch im Hobbygärtnerbereich nicht Halt macht.

Also: was ist die Alternative? Samenfestes Saatgut, alte Kultursorten und ein anderer Blick auf das Supermarktregal.

Worauf müssen Hobbygärtner beim Kauf von Saatgut achten? Samenfestes Saatgut ist das Zauberwort. Wer Lust am Probieren und Entdecken verschiedener Sorten hat, ist hier genau richtig. Bei tausenden von Tomaten-, Radieschen- oder Paprikasorten hat man die Qual der Wahl und wird bei der Ernte mit einem vielfältigen Ergebnis belohnt: Formen, Farben und Geschmack verwöhnen Auge und den Gaumen.

Ganz nebenbei unterstützt man als Hobbygärtner den Erhalt dieser Sorten – ein wichtiger Beitrag für unsere Gesellschaft und Esskultur.

Anbieter für ökologisch samenfeste Sämereien gibt es genug, man muss sich nur ein wenig informieren: Der Besuch einer Saatgutbörse oder Anbieter wie Dreschflegel, Reinsaat, Grüner Tiger oder Bingenheimer Saatgut sind Möglichkeiten, seine Begeisterung und Experimentierfreude für die Vielfalt im eigenen Garten neu zu entdecken.

 

Vortrag „Altes Gemüse neu entdeckt“ am 4. April im Vischers Kulturladen

Der stadtgarten Nürnberg und open house e.V. laden Interessierte am 4. April 2014 zum Vortrag „Altes Gemüse neu entdeckt“ in den Vischers Kulturladen in der Hufelandstr. 4 ein.

Die Referentin Barbara Keller möchte an diesem Abend dazu anregen, den bunten Reichtum alter Sorten neu zu entdecken, zu pf­legen und zu genießen. So wird der Gartensommer ein echter Genuss. Die Veranstaltung ist kostenfrei. Über eine Spende wird gebeten.

Wir wünschen euch ein wunderbares Gartenjahr!

Eure stadtgärtner

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